Geschwistertrauer


Geschwister von unheilbar erkrankten Kindern



Einleitung

Oft werden Geschwister von unheilbar und lebensbegrenzt erkrankten Kindern in ihrer Rolle und ihrer Trauer übersehn: Dies geschieht meist nicht bewusst oder gar absichtlich, sondern schlichtweg aus der so schweren Belastung der Familie heraus...

Geschwister von unheilbar und lebensbegrenzt erkrankten Kindern sind nicht erkrankt, aber dennoch betroffen. Sie sind mit zahlreichen zusätzlichen Belastungen (z.B. immer in der zweiten Reihe zu stehen) konfrontiert, die ihre Lebenssituation und die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen.
Da die erkranken Kinder in den Mittelpunkt der Familie rücken und einen Großteil der Aufmerksamkeit und Zeit benötigen, fühlen sich die gesunden Kinder oft vernachlässigt. Die Geschwister rücken in den Hintergrund und müssen sich meist alleine mit all ihren Ängsten, Fragen und Situationen auseinandersetzen.
Sie lernen sehr früh, Rücksicht zu nehmen, Verantwortung zu tragen und ihre eigenen Wünsche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung zurückzustellen. Sie haben oftmals das Gefühl, ihren Eltern nicht auch noch mit ihren eigenen Fragen, Sorgen oder Ängsten zur Last fallen zu dürfen.
Eltern erkennen diese Situation meist sehr genau, aber da sie selbst psychisch belastet und zeitlich stark beansprucht sind, schaffen sie es nicht, ihre gesunden Kinder in dem Maße aufzufangen, wie es notwendig wäre.


Hilfe für betroffene Familien

Als betroffene Familie ist es besonders empfehlenswert sich in erster Linie Hilfe für die Pflege und Betreuung des erkrankten Kindes zu holen, so dass Freiräume für die Partnerschaft und ihre anderen Kinder entstehen.
Ambulante Kinderhospizdienste und stationäre Kinderhospize sowie zum Teil die Lebenshilfe bieten diverse Gruppen- als auch individuelle Angebote für die Begleitung der gesunden Kinder. Diese Angebote sind meist offen und kostenfrei. In der professionellen Begleitung finden Kinder einen Raum, in dem sie gehört und gesehen werden, Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen, indem ihre Person ganz bewusst in den Mittelpunkt gerückt wird. Ebenso finden sie einen Freiraum, der ihnen die Erlaubnis gibt, Dinge auszusprechen und loszuwerden, die ihnen ihre familiäre Situation sonst nicht zugesteht. Sie finden einen Schutzraum für Auseinandersetzungen mit ihrer Situation. Sie finden die Unterstützung und den Austausch mit Kindern, die in einer ähnlichen Situation sind wie sie selbst.


Begleitung der Geschwister im Kinderhospiz Regenbogenland

Die Begleitung der Geschwister im Kinderhospiz Regenbogenland in Düsseldorf basiert auf einer behutsamen Kontaktaufnahme und auf niederschwelligen Angeboten mit dem Ziel, eine vertrauensvolle Basis herzustellen. Ressourcenorientierte und individuelle Angebote bieten Möglichkeiten, in vertrauensvollen Kontakt zu gelangen, um ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen. Dabei bestimmen die Kinder die Richtung.
Besonders wichtig ist eine umfangreiche Betreuung, auch über den Aufenthalt im Kinderhospiz hinaus, um den Kindern kontinuierlich ein Gefühl des Getragenseins zu vermitteln und ihnen Sicherheit zu geben.
Das Kinderhospiz Regenbogenland bietet neben dem Programm für Kinder während ihres Aufenthaltes auch monatlich stattfindende Familiennachmittage an. Hier haben sowohl die Eltern Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen, als auch die Kinder Raum, andere Betroffene kennen zu lernen. Angebote für gemeinsame Aktivitäten werden dabei durch eine Sozialpädagogin gegeben.
Darüber hinaus finden einmal monatlich Geschwistertage statt, die mit besonderen Aktivitäten und Ausflügen die Wünsche der Kinder erfüllen. Begleitet werden diese ebenfalls von Sozialpädagoginnen und ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Nachdem sich die Geschwister durch mehrere Ausflüge und gemeinsame Aktivitäten näher kennen gelernt haben, ist ein thematisches Herangehen an ihre persönliche Situation, an Themen wie Verlustängste, Trauer, Selbstwertgefühl etc. möglich. Dieses wird von bereits vertrauten Mitarbeitern des Hauses behutsam angeleitet.
Den Geschwistern wird somit ein Raum für ihre ganz persönlichen Fragen, Gedanken, Sichtweisen und Wünsche gegeben. Dabei wird präventiv gearbeitet, um mögliche gesundheitliche und soziale Beeinträchtigungen zu vermeiden.
Ziel der Geschwisterbetreuung ist es, die Kinder in ihrer Persönlichkeit zu stärken und sie während der langen Krankheitsphase ihres kranken Geschwisters und dessen Sterben hinaus aufzufangen. Durch eine kontinuierliche Begleitung und das Aufbauen von Vertrauen können diese auf den bevorstehenden Tod des lieben Bruders oder der lieben Schwester vorbereitet werden. Darüber hinaus ist es das Ziel der Geschwisterbegleitung, jedes Kind in seiner individuellen Trauer zu begleiten, da zu sein und zuzuhören um gemeinsam einen Weg zu finden mit der eigenen Trauer und der Trauer der Eltern leben zu lernen.
Neben der umfassenden und einfühlsamen Begleitung des Kindes ist es ein Ziel, den Eltern Raum zu bieten, Kraft zu tanken und sich von dem oftmals anstrengenden Alltag zu erholen. Während die Kinder mit viel Zuneigung und Respekt betreut werden, finden Eltern Zeit für sich, um sich zu erholen, zu entspannen und ihren Weg der Trauer unter professioneller Begleitung zu finden und zu gehen.

Melanie Stacha

Dipl. Sozialpädagogin
Kinderhospiz Regenbogenland
Torfbruchstr. 25
40625 Düsseldorf

Tel.: (02 11) 610 195 19
Fax (02 11) 167 87 02

http://www.kinderhospiz-regenbogenland.de