Väter





Diesen Punkt gibt es, weil Väter meist ein anderes Trauerverhalten als wir Mütter haben und oft haben sie zu hohe Anforderungen an sich selbst. Sie trauern häufig nicht so offen wie die Mütter, können ihre Trauer nicht so zeigen, stürzen sich in Arbeit und fliehen oft vor dem Schmerz. Deshalb sollten Väter einen eigenen Platz bekommen, einen Ort wo sie sich verstanden fühlen und sich fallen lassen dürfen.
Oft kommt es dazu, dass zu der Trauer auch noch kommunikative Schwierigkeiten zwischen dem Elternpaar auftreten. Es liegt in der Natur, das Frauen offener sind, über ihren Schmerz reden wollen, immer und immer wieder. Männer dagegen fressen ihren Schmerz oft in sich hinein, können nicht damit umgehen, wissen nicht wie sie es schaffen sollen diesen Schmerz auszuhalten. Sie fühlen sich doch verantwortlich für die Familie, für die Frau. Auch ganz nach dem Motto: "Männer weinen nicht, Männer sind stark".
Doch auch Väter dürfen schwach sein und diese Schwäche ausleben. Sie wollen der Frau Trost geben, denken das wird von ihnen erwartet, müssen immer stark sein. Aber auch Väter können es natürlich nicht, daher kommt häufig die Flucht in Arbeit oder in etwas anderes.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie oft ich meinem Ex-Mann Unrecht getan oder bestimmt auch verletzt habe. Durch unser unterschiedliche Art zu trauern, machte ich ihm Vorwürfe: "Er würde nicht so um unser Kind trauern wie ich!" Heute weiß ich, dass das nicht stimmt.

Lest im nächsten Punkt, was ein Papa dazu schreibt.





Gedanken eines Vaters

Wie schnell sagt man Worte wie "schönster Tag des Lebens" oder "schlimmster Tag des Lebens"… Für den schönsten Tag fallen einem spontan Ereignisse wie Heirat, Geburt oder der Gewinn der Fußballmeisterschaft ein. Was aber ist der schlimmste Tag? Der Erhalt der Diagnose Krebs? Der Verlust des Arbeitsplatzes? Tod eines Verwandten oder eines Freundes?

Der Tag, an dem meine zweite Tochter tot geboren wurde, war ein sehr schlimmer Tag. Neben der fassungslosen Trauer jedoch war ich auch frischgebackener Papa, ich war stolz auf meine Tochter. Schlimmer als dieser Tag jedoch war ein Tag nach der Beisetzung. Es war nasskalt, Temperaturen um den Gefrierpunkt und es war windig. Allein an der Sternenwiese, die Kerzenlichter erloschen immer wieder und dann wurde mir wohl erstmalig wirklich bewusst, was passiert war. Meine Tochter war tot, ich hab sie mit meinen eigenen Händen zu ihrer Sternenwiese getragen… ich kann sie nicht auf den Arm nehmen, sie nicht trösten… nie werde ich das können. Alles was ich in dem Moment für sie tun konnte war mit ihr zu reden und das riesige Loch im Herzen und in der Seele zu spüren, dass sie hinterlassen hatte.

Das ganze war ungefähr drei bis vier Wochen nach der Beisetzung. In der Nacht hab ich so gut wie gar nicht geschlafen, die Gedanken waren immer wieder bei meiner Tochter und immer wieder fing ich an zu weinen. Nach so einer Nacht kann man nicht gut aussehen… und wird am anderen Tag auf der Arbeit von einer Arbeitskollegin gefragt, wie es denn meiner Frau geht. Wie es mir geht, war ja wohl offensichtlich, braucht man also nicht nach zu fragen. Im Laufe der Zeit - mittlerweile sind 15 Monate vergangen - wurde ich immer wieder gefragt, wie es meiner Frau denn geht. Wie es mir geht fragt so gut wie keiner. Teilweise mag es daran liegen, dass man die direkte Konfrontation scheut, andererseits weiß ich von meiner Frau, dass sie oft gefragt wird wie es ihr denn geht. Alle Fragen sind hierbei sicherlich nicht ernst gemeint, viele wollen einfach nur höflich sein und erkundigen sich oberflächlich. Wirklich auseinandersetzen mit diesem Thema wollen sich die wenigsten. Für mich steht jedenfalls aus meiner eigenen Erfahrung heraus fest, dass primär immer nach der Frau gefragt wird.

Ich frage mich oft, woran das liegen mag… vielleicht liegt es daran, dass die Männer es sind, die als erstes in der "Öffentlichkeit" stehen. In der Regel sind sie es, die Verwandte und Freunde informieren, sie sind es die mit aller Kraft versuchen müssen den Alltag zu bewältigen und möglicherweise noch ein anderes Kind (in meinem Fall unsere anderthalbjährige Tochter) zu versorgen. Ich konnte es mir hier nicht leisten zu versagen… im Gegenteil, ich musste teilweise noch Trost spenden obwohl ich ihn selber so bitter nötig gehabt hätte.

Es ist wohl einfach die Erwartung der Gesellschaft, dass die Männer in diesen Situationen stark sind. Liest man in einschlägigen Foren mal ein wenig, wird man oft den Tenor finden, dass Männer ihre Frauen in dieser schweren Zeit zu unterstützen haben. Das ist sicherlich richtig.. aber Frauen müssen auch ihre Männer unterstützen.

Ich selber habe das Glück, dass meine Frau und ich über alles in diesem Zusammenhang reden und auch versuchen zu erklären, warum wir gerade traurig sind, was gerade der Auslöser war. Nur zusammen kann man die Trauer am besten verarbeiten und erkennen, dass es am Ende des Tunnels auch ein Licht gibt, die Hoffnung auf ein anderes Leben, in dem unsere zweite Tochter uns als Schutzengel begleitet…

Danke Michael N.




Liebe Papas,
Ihr müsst Euren Weg finden, auch Ihr dürft um Hilfe bitten. Euch steht es genauso zu um Euer Kind zu trauern, und Ihr braucht nicht immer stark sein. Es ehrt Euch, dass Ihr den starken Part übernehmen möchtet, aber es ist nicht notwendig. Trauert mit uns zusammen, weint mit uns und zeigt uns Eure Gefühle. Genau DAS brauchen wir von Euch und Ihr braucht nicht Eure Kraft für uns verwenden. Euer Schmerz ist groß genug und steckt Eure Energie da rein, leistet Eure Trauerarbeit.